2016 Duke Ellington | Sacred Concert

mit der Daimler Big Band, Annette Kienzle-Ehrlich und Klaus Bleis

Mitwirkende:

Chor Semiseria
Daimler Big Band
Annette Kienzle, Sopran
Klaus Bleis, Tanz

Leitung: Frank Schlichter und Klaus Graf

Der amerikanische Pianist, Bandleader und Komponist Duke Ellington (1899-1974) zählt zu den bedeutendsten Größen der Jazz-Geschichte. Er gilt als Begründer des modernen Big-Band-Stils; die klangfarbenreichen und komplexen Arrangements seiner Musik prägten die Entwicklung des Jazz über Jahrzehnte. Ellington war ein Meister der kleinen Form und schuf Schätzungen zufolge rund 3000 Stücke, von denen viele heute als Klassiker gelten. In späteren Jahren wandte er sich komplexeren musikalischen Formen wie Suiten, Theatermusiken oder den “Sacred Concerts” zu.

Duke Ellington erhielt 1965 den Auftrag, zur Fertigstellung und Weihung der Grace Cathedral in San Francisco ein religiöses Konzert zu veranstalten. Dieses erste „Sacred Concert“ für Bigband, Chor, Solisten und Tänzer wurde im September 1965 aufgeführt. In den folgenden Jahren entstanden zwei weitere Fassungen, mit denen Ellington und seine Big Band bis 1974 durch Amerika und Europa tourten. Er selbst bezeichnete die Werke als “das Wichtigste, was ich jemals gemacht habe“.

Mit den „Sacred Concerts“ verfolgte Ellington die Absicht, an die große europäische Tradition kirchlicher Musik anzuknüpfen und ihr ein eigenes Werk in der ihm eigenen Musiksprache hinzuzufügen.

Aufblühender Jazz

VON DAGMAR VARADY

“Schwungvoll, lebendig und abwechslungsreich musizierten die Bigband und der Chor auf Augenhöhe, beide sowohl kunstfertig als auch leidenschaftlich und swingend. Ellingtons Mischung aus Swing, Jazz und klassisch-religiöser Kirchenmusik bot jedem Ausführenden eine vortreffliche musikalische Entfaltungsmöglichkeit. Auch die Soli der Musiker (oft auch mit Dämpfern) waren temperamentvoll und ausgereift und ergänzten die klangliche Wucht dieser großartig zelebrierten und immer wieder kraftvoll aufblühenden Jazzmusik.

(…)

Die Sängerin Annette Kienzle-Ehrlich fügte sich gut in dieses Konzept ein. Mit ihrer Musicalstimme konnte sie scatten (mit einzelnen Silben improvisieren), vor Kraft strotzen, aber auch hauchfein und zart singen, bei Bedarf sogar ätherisch. Stilvoll schmiegte sie sich an die Klänge der übrigen Musik an.

Und natürlich war Klaus Bleis mit seinem Stepptanz ein optischer Hochgenuss. Auf einer kleinen Bühne setzte er teils rasante Clicks auf das Parkett, sodass die Metallplatten an den Schuhen zu glühen schienen. Wenn er ohne Musik tanzte, war er selbst die Musik. Aber auch mit den Musikern entstand ein faszinierendes Zusammensein. Die grandiose Zwiesprache in der Zugabe zwischen Bleis und dem Schlagzeuger zeigte die Nähe eines Stepptänzers zu einem Perkussionisten.”

Reutlinger Generalanzeiger, 07.06.2016

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