Reiseblog Durham (30. Okt. - 05.Nov. 2017)

Montag, 30. Okt. 2017

Wow!  Alle sind pünktlich kurz vor 13.00 Uhr in Tübingen vor der Paul-Horn-Arena zur Abfahrt zum Flughafen Stuttgart eingetroffen. Na ja, lediglich die quadratischen braunen Täfelchen (als Gastgeschenk) kamen etwas zu spät an, während die „Mozart-balls“ ( J ) wohl schon anBord sind.

 

Vollständigkeit kann dann auf dem Flugplatz registriert werden, wo noch fehlende Mitsänger dazustoßen.

 

Die ersten Schweißtropfen der Reiseleiter Walter ("Walter, Walter…") und Ruth können abgewischt werden. Komplikationslos verläuft die Gepäckaufgabe und das Boarding und pünktlich startet die Maschine einer wenig bekannten Airline nach Manchester. Erstaunlich: an Bord wird nicht gesungen …! (Wir hatten allerdings auch das Lied „Über den Wolken“ zuvor nicht im vierstimmigen Satz geübt und einstimmig zu singen ist doch unter unserem Nivea, sorry! Niveau.)

 

Die Ankunftszeit 17.05 Uhr wird allerdings nur denen auf der Uhr richtig angezeigt, die sie auf WEZ umgestellt hatten. Trotzdem ist es in Manchester bei der Ankunft schon recht duster, so dass wir auf der 3 ½ - stündigen Weiterfahrt nach Durham nichts, aber auch gar nichts, von der – wie sich später herausstellen wird – abwechslungsreichen Landschaft sehen können.

 

Dann kommt der Hammer: die Ankunft im Ushaw College bei Durham, unserem Quartier. Durch eine enge Gebüschgasse, durch die der Bus gerade noch durch-passt, nähern wir uns dem spärlich beleuchteten Haupthaus und werden von einem dreiköpfigen Empfangskomitee willkommen geheißen.

 

Vielleicht ist ja der Schreiber dieser Zeilen der Einzige, der nicht darauf vorbereitet war, dass das Ushaw College ein römisch-katholisches Priesterseminar ist, das 1808 nach vierjähriger Bauzeit eingeweiht und im Laufe der Mitte des 19. Jahrhundert gewaltig erweitert und ausgebaut worden ist. Hallen, Kirchenräume, Flure haben gewaltige Ausmaße. An den Wänden hängen in Öl gemalte Konterfeis bedeutender Persönlichkeiten, die im Zusammenhang mit dem College standen. Und dann noch hier ein Rafael und dort ein Rubens und ein Canaletto und Marien- und Heiligenstatuen und … ( aber zur Klärung: alles „fake“)

 

Wer ist da nicht „deeply impressed“? Liest man dann aber, unter welchen Bedingun-gen die Seminaristen (Jungs ab elf Jahren) „studiert“ und „gelebt“ haben, verändert sich der Eindruck in: „oh, those poor boys“. Der Seminarbetrieb wurde 2014 ein- gestellt. Heute dient der Komplex der Unterbringung größerer Gruppen, aber auch Einzelpersonen können für längere Zeit unterkommen. (So auch ein Priester, der im Alter von 11 Jahren eingetreten ist und sein ganzes Leben hier verbracht hat. Er ist heute weit über 80 Jahre alt.)

 

Das Abendessen um 21.00 Uhr im „buffet style“ dient leider nicht wirklich zur Sättigung, aber viel schlimmer: das Bier ist schon nach einer Stunde alle!!! Und das, obwohl landesweit bekannt ist, dass Semiseria äußerst zurückhaltend im Konsum alkoholischer Getränke ist.

 

Da freut man sich dann richtig auf das Frühstück am kommenden Morgen, nicht wahr …?

 

Rainer O. Krimmel

Dienstag, 31. Okt. 2017

Um 8.30 Uhr strömten 53 hungrige Halbernste im ernsthaften Glauben, ein nice British Breakfast zu bekommen, in das Refectory.

 

Der erste Eindruck dieses Raumes war imposant. Der zweite Eindruck war dann eher ernüchternd, als wir auf der Suche nach Brötchen, ham & eggs und sausages auf Tüten mit Chips, Gummibärchen und Fabrikkekse stießen.

 

Endlich auf Nachfrage bekamen wir dann sehr kulinarische Weißbrotsandwiches.

 

Frisch gestärkt fuhren wir dann linksverkehrt mit dem Bus nach Durham, wo wir Brian, den Partnerstadt Kulturreferenten trafen. Wir gingen mit ihm in die Cathedral und lernten Cuthbert zum ersten Mal kennen, der uns hier immer wieder "begegnen" wird.

 

Nach einem Ständchen in der Frauenkapelle für die Lady in Purple (unsere Kathedralenführerin), ging es weiter zum Bürgermeister. Wow, was für ein Empfang!

 

Der Bürgermeister stand uns mitsamt seiner Leibgarde und seiner Beraterin Spalier, Hände wurden reichlich gedrückt, und wir durften dem Begrüßungszeremoniell beiwohnen. Nach der Vorstellung aller Waffen wurden wir zum Essen eingeladen und genossen die warme Linsensuppe und die leckeren Sandwiches (Salat und Gemüse, yummy!). Es folgte eine kurze Besichtigung durchs historische Rathaus.

 

Nach einem kurzen Fußweg durch die Stadt wurden wir dann auch schon im Castle erwartet. In zwei Gruppen mit zwei sehr dynamischen Führerinnen dürften wir auf der schwarzen Treppe passend zu Halloween Geschichten über den Hausgeist hören.

 

Nach so viel Kultur folgte das, was viele von uns sehnlichst erwarteten: Coffee, Shopping, Fish and Chips!

 

Völlig erschöpft von all den interessanten Eindrücken fuhren wir mit dem Bus zurück ins Ushaw College. Nach 20 Turbo- erholsamen Minuten alleine oder zu vielen sammelten wir uns zum frisch vergnügten Singen in der Kathedrale, die, wenn auch sehr schön, so doch leider nicht beheizt war. Ob aus diesem Grund oder aus anderem sanken wir an jenem Abend mindestens um einen Ton ab, genossen aber dennoch jede einzelne gesungene Phrase in diesen wunderbaren Hallen.

 

Die Männer mussten etwas nachsitzen, während es sich die Frauen schon in den Sesseln mit Tonic, Rotwein und Ginger Ale bequem machen konnten.

 

Dankedankedanke dem Orgateam und allen, mit denen wir diesen wundervollen Tag teilen durften.

 

Martina und Andrea

Mittwoch, 01. Nov. 2017

Ushaw Collage, Collage Road, Durham DH7 9RH

 

We shall overcome

Frühstück mit Feueralarm

 

Kein englisches Frühstück ohne Tee mit Milch. Für viele einer die begehrtesten weil einzigen zuckerfreien Lebensmittel am Fühstücksbüffet.

Eine Feueralarm gegen Ende des Frühstücks war glücklicherweise nur eine Übung.

Wo ist das Chorlogo? - Aufbruch zum Tagesausflug nach Newcastle.

 

Verzweifelt sucht ein Semiserianer das Chorlogo? Da gibt es keines, muss er enttäuscht feststellen

TOLET <> TOILET

Nach zwei Stunden durch die fast schon schottische Weidelandschaft wünscht sich der eine oder andere ein i ins Schild

Zwischen lacrimosa und resurexit.

Frank testet die Berg- und Talfahrt zum Hadrians Wall als Trainingsmethode zu neuen Höhen und Tiefen.

So weit muss man wohl manchmal fahren, um betrachten zu können, was von einem Weltreich übrig bleibt.

The Hadrian's Wall in Housestead.

Viele Gründe können einen nach Newcastle führen. Dieses Lokal ist definitiv einen Aufenthalt wert.

Hadrian's Wall

In a world without walls and fences who needs Windows or Gates oder:

Jedes System wird sich irgendwann überleben.

Der Tag neigt sich in die Nacht. We shall overcome eröffnet den ersten Post. Das Treffen mit der Durham choral society

klingt mit diesem Song aus. In der Luft liegt der Gedanke, dass nichts, auch nicht der Brexit, die Freiheit der Gedanken nehmen kann.

Im Bild sieht man beide Chöre im Probenraum der Durham Johnston school.

Die Sänger wurden aus Datenschutzgründen rausretouchiert.

 

Johannes

Donnerstag, 2. Nov. 2017

Ah! "May the sun make our day bright"... Blauer Himmel und Sonnenschein!

 

Das Frühstück ist heute, am dritten Tag, entspannt - durch viel Mitgebrachtes ist das Angebot für die meisten gut! (" Die Engländer können hervorragend Wasser kochen... "). Erwartungen und Gegebenheiten kommen sich also immer näher.

 

9:30 Uhr, pünktliche Abfahrt zum Beamish Museum (Beamish heißt die Ortschaft in der Nähe des Museums). Das Museum ist ein erstaunlicher Ort zum Eintauchen und Einfühlen in ein Leben vor 200, 100 oder 75 Jahren.

 

Für zwei mal 20 Minuten Singen in der Methodist Chapel in Pit Village dürfen wir das 350 acre große Gelände besuchen und lebendig gewordene Geschichte erleben.

 

Vorm Erleben sollen wir aber "zuerst zügig zur Kapelle zum Singen gehen und nicht diffundieren". Das tun wir dann auch.

 

Brian verabschiedet sich nach unserem ersten Auftritt; er wird vom 26.-29. November in Tübingen sein und freut sich auf einen Kaffee auf dem Marktplatz dort, mit uns.

 

Nun haben wir genug Gelegenheit, die Atmosphäre der Vergangenheit zu erleben - wortwörtlich!

 

(Bitte Doppelklick auf die Bilder)

Besonders erwähnenswert: das Gruppenbild mit gekaperter Tram!!

Auf der Heimfahrt (mit Drop-off-Halt für die Unentwegten) begleitet uns noch ein schöner sun-set. Am Collage angekommen: Zeit für Entspannung, wow!! Z.B. eine kleine Runde im Rosengarten und vor allem, um etwas Schlaf nachzuholen...

 

Zum Abendessen um 18.00 sind die Meisten pünktlich und gut ausgeruht wieder versammelt - wer weiß, wie üppig die Portionen sind... Die Sorge ist völlig grundlos: reichlich Kartoffel-Gemüse-Huhn- Eintopf oder Tomatengemüse mit Grillkäse und köstlichen Cheesecake als Dessert. Manche "feel like a stuffed goose" hinterher.

 

Vereinzelte Nachmittagschläfer, die zu spät kommen, müssen sich mit den "table lefts" begnügen: "wer verschläft, hat verloren".

 

Danach schwingen wir uns wieder auf zur Probe mit den Durham Singers. Unser Bus bringt uns zur Methodist Church, wo schon Noten aus Bachs WO ("liebes Jesulein"), und ein doppelchöriges Stück für uns bereitliegen.

 

Auch hier werden wir sehr freundlich willkommen geheißen und dürfen uns unter ihre kleine Besetzung mischen (sonst insgesamt 45 Sängerinnen und Sänger, reguläre Probe montags). Conductor Julian Wright ist die deutsche Aussprache wichtig - und wie ist das mit der Fermate auf dem Kontinent?

 

Zum Schluss noch "Untreue" - in einem kühlen Grunde - mit Peter am Saxofon und weiteren wohlgemeinten Tipps für unsere Aufführung am Samstag in der Kathedrale: "think a long building"!

 

Der Abend geht frohgelaunt und munter weiter im Pub beim Bier und "Tourdion", auch Musik mit einer bagpipe wird geboten.

Die Durham Singers planen im September 2018 eine Reise nach Tübingen: die Motette am 15.9. kann man sich schon mal vormerken.

 

Nach einem herzlichen Abschied - "you are such a lovely lot!" Heimfahrt ins College. Fast am Ziel, stoppt der Bus in der schmalen Auffahrt und die hinteren Reihen wundern sich: wurde da vielleicht ein Hirsch überfahren, der erst beiseite geschafft werden muss?

 

... Der Dramen nicht genug: Einer hat sich ausgeschlossen und sucht Asyl für die Nacht. Vermutungen über mögliche (Hinter-) Gründe machen die Runde...

 

Wie es damit weiterging, erfahren wir vielleicht morgen- auf jeden fall sind alle zufrieden und wieder sehr erfüllt von dem schönen englischen Sonnen-tag - it was "a perfect day"...

 

(gesendet vom Mobiltelefon)

 

Lisa und Norbert

Freitag, 3. Nov. 2017

Es ist an dieser Stelle festzuhalten, dass Reisen dieser Art nicht nur der musikalischen Verständigung, sondern auch dem geistigen Austausch dienen. Im Ushaw-College bietet sich die gediegene Clubatmosphäre mit schweren Ledersesseln geradezu an! In heiterer, aber dennoch ernsthafter Gesprächsatmosphäre (unterstützt durch eine Auswahl feinster lokaler Getränke) werden die wichtigen Themen erörtert, die uns alle beschäftigen. Von ayuverdischer Ernährung bis zur Transformation des Körperlichen spannt sich der Gesprächsbogen; dabei werden auch strittige Themen nicht ausgespart ("also entschuldige bitte!"). Stets enden diese langen Abende in versöhnlichem Geist und dienen somit der Festigung der Chorgemeinschaft.

 

Der heutige Tag führt uns unter der bewährten Führung unseres kongenialen Reiseleiters (der morgens regelmäßig und vollkommen zu Recht mit skandierenden "Walter! Walter!" -Rufen begrüßt wird) zum Lake District. Auch unserem treuen und souveränen Busfahrer Mark sei an dieser Stelle gedankt - wir erinnern uns gerne an die Eleganz der allabendlichen Vorfahrt vor dem College. Die Fahrt nutzen wir wie immer zur allgemeinen Weiterbildung und erfahren nicht nur Interessantes über die Flora (hier wächst zum Beispiel der"kleine Klappertopf"), sondern auch Elementares über Plattentektonik und Sturmfluten. Eine wunderbare Landschaft - auch das Wetter bleibt uns wohl gesonnen.

 

Die Lakes Distillery beeindruckt nicht nur durch ihre moderne Ausstattung; auch die Restaurierung des vormals bäuerlichen Anwesens kann als überaus gelungen bezeichnet werden. Wir erfahren, dass zur viktorianischen Zeit die Dinge zwar funktional, aber auch schön sein mussten und das können wir sehen! Neben heißen Kesseln lauschen wir den Erklärungen über den Herstellungsprozess der geistigen Getränke. Bei der abschließenden Verkostung mundet insbesondere der Gin!

 

Es bleibt noch Zeit für einen Spaziergang am See, der allerdings kein "lake" ist, sondern ein "water". Das kümmert uns jedoch nicht und wir genießen die Landschaft und den Blick auf die umliegenden kahlen Berge. Es wird früh dunkel hier - die Landschaft auf der Rückfahrt mit ihren hellen Lichtsäumen am Horizont hat etwas Geheimnisvolles.

 

Die Probe am Abend mit dem Cobweb-Orchestra bringt manch' Überraschendes mit sich. Together we will make it!

 

Friedrich

 

Samstag, 4. Nov. 2017

..UND DANN WAR ER ENDLICH DA, der  Tag, für den wir die ganze Reise angetreten hatten. Der Tag für den  wir geübt, geprobt, geschwitzt, gehechelt, gehört, gesungen, Krankheiten und Meere überwunden hatten. Er begann großartig. Mit einem  - und wenn es ihn nicht gäbe, dafür würde ich den Ausdruck erfinden: Der Tag begann mit einem wirklich guten Tropfen!
Der erste Schluck war ätzend, im wahren Wortsinne, nur aber, um den Rachen frei zu schnitzen von bis dahin schwer verdaulich zu sich Genommenem , ja gönnen wir diesem Etwas, das hier Frühstück genannt  wurde noch das Attribut “ food ?”
Egal. Auch der Nordbrite versteht etwas von Marketing und so hatten wir am (Vor-)Tag in der Distillery einen schwachen Whiskey erlebt, doch was hier nun kurz nach der Geisterstunde, in den ersten Minuten des so sehnlich herbeigewünschten Tages von den inzwischen befreundeten Durham Singers kredenzt wurde, war bis dahin  selten eine Semiseria-Kehle hinuntergeronnen.
Nach dem ersten Tropfen war der Gaumen geschärft, die 60,9% Volumenalkohol hatten das Feld der Rezeptoren auf eine Weise  für die weiteren Schlückchen dieses sensationellen Lebensmittels bestellt, dass der Genuss des den Rachen hinuntergleitenden Nasses für lange seinesgleichen suchen wird.
Warmer Rauch, wehende Gerstenfelder, aufgeplusterte, kuschlige Schafe schienen den Gaumen in ein kaum vorstellbares Geschmackserlebnis zu versetzen und die Weiten Nordenglands  in ihrer ganzen Breite im eigenen Rachenraum zur Entfaltung zu bringen.


Damit also erst einmal ins Bett und schlafen. Wir sind für den Abend gekommen, nicht für den Anfang des Tages. Schlappe 2000 km nordwestlich der Heimat also in einer der größten Kirchen der Christenheit  sollte es erklingen, das Mozart Requiem, gesungen von uns, dem Chor Semiseria, begleitet vom Cobweb (Spinnennetz) Orchestra.
Nun muss man wissen, und das wussten wir zuerst tatsächlich nicht, dass das Orchester eine Vereinigung ist, die mit Musikern arbeitet, deren Instrumente lange auf dem Speicher oder in verborgenen Kellern Spinnweben angesetzt haben (Cobwebs) also lange nicht gespielt wurden.
Die Abendprobe war zunächst stark ernüchternd; es war eine gute Portion Frustrationstoleranz gefragt um zu genießen, was zu genießen war...
Die Busfahrt am Vormittag wieder bei trockenem Wetter  und Anflügen von Sonnenschein (na bitte, geht doch…!!!); mit gemischten Gefühlen fuhren wir hinein nach Durham.


Erster Sing-Einsatz heute: Vernissage der Fotoausstellung von zwei Durhamer und zwei Tübinger Studenten. Grace und Huw sprachen frei von ihren wunderbaren Erfahrungen in Tübingen, von “Freundschaft”, von “Wohlfühlen” in der jeweiligen Stadt. Worte wie “Heimat” wurden benutzt und die Architektur der alten Häuser gelobt (Freundschaft zu Häusern?).

Bei der Rückfrage nach dem Votum für oder gegen den Austritt des Königreiches aus der EU wurden beim anschließenden Empfang mit Refreshments sehr unterschiedliche Standpunkte deutlich: Der Maschinenbaustudent würde gerne nochmal wählen, wenn er könnte. Er fühlte sich nicht richtig informiert (der Student mit 24 Std access to the internet ???…) und habe für den Austritt gestimmt; das würde er heute anders machen... Sie hatte fast Tränen in den Augen, als sie erklärte, wie traurig sie über die Entscheidung sei. Auch der Vizekanzler der Uni nahm deutlich Abstand zum Ausgang des Brexit-Votums. 


Dann noch eine gemeinsame Probe in der Kathedrale. Längeres Zuhören bei der Probe des Orchesters für deren Solo-Stücke. Anspruchsvolle Akustik. Und dann die Anspielprobe mit einem sehr tapferen Frank (das hast Du richtig gut gemacht!). Wunderbare Solisten - eine herrliche kraftvolle Altistin, eine bezaubernde Sopranistin, ein betörender Tenor und ein vielversprechender Bass. Dazwischen rumlaufen, sitzen, one last breakfast tea, Essen, Klosterkater streicheln, immer wieder mit anderen MitsängerInnen in ein Gespräch kommen (zuerst manchmal: “oh Gott noch ein Gespräch” und jedes Mal dann doch: Danke, ja Danke für die gemeinsame Zeit, danke für genau dieses Gespräch, mal kürzer, mal länger, mal intensiver, mal nur sich mit einem Lächeln der Sympathie versichert ohne viele Worte. Und wenn nachher mit dem Orchester jede zweite Note daneben gehen sollte (wird sie sicher nicht) schon allein dafür hat sich die ganze Reise gelohnt... - Danke, Semiseristi!).
Grenzwertige Temperaturen im Aufwärmraum (der darf nun wirklich so heißen!) mit einer atemberaubend schönen Akustik (Klassenzimmer von  Harry Potters Lehrmeisterin McGonagall).

So, dann also wirklich action, die Bude ist voll, voll wie der Mond, Gerüchte sprechen von ausverkauft...herrlich ausgeleuchtet, alles ist wunderschön. Die ersten Töne erklingen, die Akustik der Kirche nimmt sie auf, lässt sie fliegen und - ist gnädig. Da dürfen wir nun auch gleich singen, Danke allen, die das möglich gemacht haben!!
Das Orchester wird sicherer und sicherer, wir entspannen auch zusehends und freuen uns auf den gemeinsamen Auftritt. Dann ist es soweit: Wir betreten die Bühne!
Marianne findet wie schon so oft die richtigen Worte für die Situation. Die Solisten kommen mit Frank in vorbildlichem Gleichschritt, die Spannung steigt.
Ein guter  vielversprechender Anfang und dann … nimmt das Konzert einen überraschend erfreulichen Verlauf. Frank dirigiert souverän, seine Leidenschaft und der Drahtseilakt,  das Orchester und uns in der richtigen Weise herauszufordern und das Bestmögliche herauszuholen, gelingt auf beeindruckende Weise und überträgt sich auf die gesamten über 100 Musiker.
Das Publikum ist begeistert, standing ovations, die Zugabe ist zwar vorbereitet, findet aber bei McGonegall für den Bürgermeister und seiner gestolperten Beraterin statt (zum Glück glimpflich). Ubi caritas, was für eine wunderschöne Akustik!!
Ein hart erkämpftes, für alle dann doch erfreuliches und befriedigendes Konzerterlebnis findet seinen würdigen Abschluss. Gemeinsam Musizieren ist einfach schön, eine wunderbare Möglichkeit für menschliche Begegnungen und bereicherndes Miteinander!

 

Viva la Musica - aber nicht ohne Buffet!!

 

PS: Tony, die nette Mitarbeiterin von der Bar, die uns genau dieses ermöglicht hat, bittet darum, dass ihr für sie ein positives Feedback schreibt, bitte an folgende Adresse: info@thecourtinn.co.uk  ( oder bei www.courtinn.co.uk) - Vielen Dank!

Daniel und Martin Schurr